Vor 85 Jahren, am 28. August 1941, begann eines der tragischsten Kapitel in der Geschichte der sowjetischen Deutschen.
An diesem Tag wurde der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR „Über die Umsiedlung der in den Gebieten der Wolga-Region lebenden Deutschen“ veröffentlicht. In diesem Dokument wurde der deutschen Bevölkerung der Wolga-Region vorgeworfen, es gäbe unter ihr angeblich „zahlreiche Saboteure und Spione“, obwohl keine Beweise für diese Anschuldigungen vorgelegt wurden.
Der Erlass sah die Umsiedlung der Volga-Deutschen in andere Regionen der Sowjetunion vor. Gleichzeitig wurde die seit 1924 bestehende Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Volga-Deutschen aufgelöst. Ihr Gebiet wurde den Oblasten Saratow und Stalingrad zugeschlagen.
Hunderttausende Familien verloren plötzlich ihr Zuhause und ihre gewohnte Lebensweise und wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Die Menschen wurden innerhalb kurzer Zeit auf den Weg geschickt. Viele wussten nicht, wohin man sie brachte. Familien wurden getrennt, ihr Hab und Gut mussten sie zurücklassen. Die Menschen wurden in entlegene Gebiete Sibiriens, Kasachstans, des Urals und Zentralasiens, darunter auch nach Usbekistan, geschickt.
Nach der Umsiedlung sahen sich viele sowjetische Deutsche mit Arbeitspflicht, Freiheitsbeschränkungen, harter Arbeit, Hunger und Kälte konfrontiert. Tausende Menschen starben an Krankheiten, Erschöpfung und unerträglichen Lebensbedingungen.
Wir werden uns stets an diejenigen erinnern, die die Jahre der Unterdrückung und der unerträglichen Arbeit überstanden haben, sowie an diejenigen, denen es trotz all dessen gelungen ist, ihre Menschenwürde, ihre Sprache, ihre Kultur und die Erinnerung an ihre Vorfahren zu bewahren. Dank dessen kennen wir heute die Geschichte der Deutschen in Usbekistan und bewahren das kulturelle Erbe der deutschen Gemeinschaft – im Namen künftiger Generationen.
