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Der Dichter Viktor Gergenreder: zwischen Usbekistan und Deutschland

Am 8. Mai 2026 fand im Kulturzentrum der Deutschen in Usbekistan „Wiedergeburt“ in Taschkent ein Künstlerabend mit dem Dichter, Prosaautor und Sängerautor Viktor Gergenreder statt. Auf dem Programm standen eigene Gedichte und Lieder, die Taschkent gewidmet waren – der Stadt, die für den Dichter nicht nur Teil seiner Biografie, sondern auch eine wichtige Inspirationsquelle geworden ist.

Von den ersten Minuten des Abends an herrschte im Saal eine besondere Atmosphäre – warm, vertrauensvoll und wahrhaft heimelig. Die Zuhörer lauschten Liedern über Erinnerung, Schicksal, den Weg und die Heimatstadt und erkannten in den Zeilen ihre eigenen Gefühle und Erlebnisse wieder. Für viele Gäste war dieser Abend nicht nur eine Begegnung mit dem Autor, sondern auch mit einem Teil ihrer eigenen Geschichte.

Die Biografie von Viktor Gergenreder ist eng mit der Geschichte der russischen Deutschen verbunden. Er wurde am 28. Dezember 1957 in der Region Tscheljabinsk als Sohn deportierter Deutscher geboren. Seine Kindheit verbrachte er in der Region Omsk, und 1963 zog die Familie nach Taschkent, wo der zukünftige Dichter mehr als dreißig Jahre lang lebte.

Gerade Taschkent wurde für ihn zum Ort, an dem sich seine Persönlichkeit und sein Schaffen entwickelten. Bei dem Treffen gestand Viktor Gergenreder:

„Es ist, als wäre ich nach Hause zurückgekehrt. Ich fühle mich hier sehr wohl. Die Stadt hat sich natürlich stark verändert, aber die Menschen sind nach wie vor so herzlich, gastfreundlich und lebensfroh.“

Seine ersten Gedichte schrieb Viktor bereits mit fünfzehn Jahren, seine ersten Lieder mit siebzehn. Einen enormen Einfluss auf ihn hatte die Begegnung mit dem bekannten Schriftsteller Michail Grebenjuk. Der Autor erinnerte sich an diesen Moment und erzählte:

 „Als ich meine Gedichte vorlas, kam Michail Grebenjuk auf mich zu, nahm mich bei der Hand und sagte: ‚Viktor, das machst du sehr gut. Schreib weiter.‘ Und dann hinterließ er eine Notiz mit dem Wunsch: ‚Schreib gute Gedichte und sei ein Mensch mit großem M.‘“

Nach seinem Studium widmete sich Viktor Gergenreder eine Zeit lang kaum ernsthaftem kreativen Schaffen. Doch 1994 zog die Familie nach Deutschland, und genau dort, so der Autor, kam das echte Bewusstsein für den Wert seiner Heimatstadt und der durchlebten Vergangenheit.

„Die Nostalgie überkam mich sehr stark. Die Gedichte sprudelten nur so aus mir heraus. Und dann begann ich, sie zu vertonen und zu singen“, erzählte Viktor dem Publikum.

Mit der Zeit entwickelten sich die privaten Musikabende für Freunde zu Autorenkonzerten, Auftritten auf Festivals und der Aufnahme eigener Alben. Heute lebt Viktor Gergenreder in Frankfurt am Main, ist Preisträger internationaler Autorensongfestivals und Träger der Vasili-Schukschin-Goldmedaille.

Einen besonderen Platz im Gespräch nahm das Thema Heimat ein. Auf die Frage, was dieses Wort heute für ihn bedeute, antwortete der Dichter sehr aufrichtig:

 „Heute ist Deutschland mein Zuhause und meine Heimat. Aber wenn ich über meine Heimat schreibe, schreibe ich dennoch häufiger über Usbekistan, über Taschkent. Wenn das Flugzeug in Frankfurt zur Landung ansetzt, habe ich das Gefühl, nach Hause zurückzukehren. Aber Taschkent ist für immer ein Teil meiner Seele geblieben.“

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Viktor Gergenreder den Organisatoren und Gästen für den herzlichen Empfang und wünschte allen Landsleuten Frieden, Wohlergehen und ein langes Leben. Und das Publikum ließ den Autor noch lange mit Applaus nicht gehen, denn in seinen Liedern hörte jeder etwas sehr Persönliches und Herzliches.