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Zum Gedenken an Kornej Kornejewitsch Wibe

Kornej Kornejewitsch Wibe (1955–2015) – Delegierter der ersten Kongresse der sowjetischen Deutschen aus Usbekistan, Mitglied des Kulturzentrums der Deutschen in Usbekistan „Wiedergeburt“, stand an den Anfängen der Wiederbelebung der evangelisch-lutherischen Kirche in Usbekistan und war deren erster Bischof.

Seine Familie litt, wie alle Familien der russischen Deutschen, unter den Repressionen und der brutalen Deportation der Deutschen aus verschiedenen Regionen des Landes. K. Wibe selbst wurde am 19. Oktober 1955 in Tatarstan geboren. Drei Jahre später zog seine Familie nach Kasachstan und anschließend nach Usbekistan. K. Wibe erlernte das Schlosserhandwerk und studierte parallel zu seiner Arbeit im Fernstudium am Eisenbahntechnikum in Taschkent Bauingenieurwesen.

Die evangelisch-lutherische Kirche in Usbekistan stand mehr als 50 Jahre lang unter Verbot – nach dem tragischen Tod des Pastors der evangelisch-lutherischen Kirche in Taschkent, Heinrich Berends, im Jahr 1937, der zusammen mit seiner Frau verhaftet worden war. Die Aufgabe des 1989 gegründeten Deutschen Kulturzentrums „Wiedergeburt“ bestand im Wesentlichen darin, die gesamte deutsche Minderheit wiederzubeleben, damit ihre Mitglieder ihren eigenen Volkstraditionen folgen, ihre Muttersprache sprechen – und natürlich ihre Religion ausüben konnten.

Seit der Gründung des Zentrums wandte sich dessen Vorsitzender Viktor Davydowitsch Horn wiederholt an die Regierung mit der Bitte, den Gläubigen das Gebäude der deutschen Kirche zurückzugeben. Im Herbst 1990 wurde die Genehmigung erteilt, in der Kirche Gottesdienste abzuhalten. K. Wibe wurde damals zum Kirchenvorsteher gewählt, und bereits am 16. Dezember fand der erste Gottesdienst von Kornej Wibe und Pastor Grentz in der Kirche statt.

Im Jahr 1993 wurde die Kirche schließlich auf Anordnung des usbekischen Präsidenten I. Karimow an die deutsche Minderheit zurückgegeben. K. K. Wibe wurde zum Präsidenten des Kirchenvorstands gewählt und ein Jahr später zum Probst, dem geistlichen Oberhaupt der evangelisch-lutherischen Gemeinden in Usbekistan, geweiht.

Das historische Gebäude der Taschkenter Kirche, das nach einem Entwurf des berühmten Architekten L. N. Benois errichtet wurde, wurde zu Sowjetzeiten für wirtschaftliche Zwecke genutzt, und Gottesdienste waren verboten. Im Jahr 1977 wurde das Kirchengebäude der Taschkenter Konservatorium übergeben und im Inneren zu einem Opernstudio umgebaut. Erst 1994 renovierte und baute die taschkentische lutherische Gemeinde die Kirche wieder auf, und sie erhielt ihr ursprüngliches Aussehen zurück.

Das hundertjährige Jubiläum der evangelisch-lutherischen Kirche in Taschkent wurde am 14. Dezember 1996 gefeiert. Damals wurde auf der IV. Synode der Diözese der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Usbekistan vorgeschlagen, die Kirche in „Kirche der Auferstehung Jesu Christi“ umzubenennen. An der Kirche wurde eine Sonntagsschule eingerichtet, in der die Kinder bastelten, Deutsch lernten und deutsche Lieder sangen sowie verschiedene Sketche für die Feiertage vorbereiteten.

Im Jahr 2000 wurde K. Wibe zum Bischof der eigenständigen evangelisch-lutherischen Kirche in Usbekistan geweiht. Im Jahr 2014 wurde hier das 135-jährige Jubiläum seit der ersten Verkündigung des Evangeliums in diesem Land gefeiert.

Am 22. Juni 2015 verstarb K. K. Wibe im Alter von 60 Jahren plötzlich. Sein geistlicher Dienst dauerte ununterbrochen mehr als 20 Jahre. In Fortführung der von K. Wibe begründeten Traditionen bleibt die evangelisch-lutherische Kirche in Taschkent das Zentrum des geistlichen Lebens der deutschen Gemeinde in Usbekistan. Seine geistliche Führung, seine Freundlichkeit und seine Treue zur Sache der Wiederbelebung der Kirche wurden zum Vorbild für die gesamte Gemeinde.

Irina Shchur